Die Nutzung der Website Rest&Resilience ersetzt nicht den Besuch bei einem Arzt, Psychotherapeuten oder psychologischen Berater. Im Gegenteil, wir möchten Vorurteile und Ängste abbauen und dazu ermutigen, ärztliche und beratende Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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2017 - 2018

Trotzdem geniessen

Chronisch krank sein - sei es nun eine somatische oder eine psychische Erkrankung - ist scheiße. Ich kenne einen Haufen Leute, die mit meiner Erkrankung auf jeden Fall besser zurecht kämen als ich. Sie würden an meiner Stelle nicht müde sein, Schmerzen aushalten und sich zusammenreißen. Ich habe manchmal das „Glück“, bedauernswert krank auszusehen. Und Bedauern ist auch das, was man bekommt. Fühlt sich nicht so doll an. Ein "Glück" ist es übrigens deshalb, weil man vielen chronisch Kranken nicht ansieht, dass sie krank sind. Oft sehe ich aber aufgrund meiner kranken Haut, den geschwollenen Augen und dem Haarausfall einfach nur ungepflegt aus. Was man dann erntet, ist aktive Ablehnung. 

 

Ich weiß also genau, wie das ist, bedauert, ausgegrenzt und belöst zu werden (belöst werden: mit gut gemeinten, unreflektierten Lösungsvorschlägen bedrängt werden.) Dabei ertappe ich mich selbst dabei, wie ich noch denke wie ein Gesunder. Passiert dann, wenn ich von den Beschwerden anderer chronisch Kranker höre. Ich will unbedingt helfen und am liebsten das Unausweichliche ungeschehen machen. Und was tue ich dann? Gut gemeinte Ratschläge geben und mein Bedauern aussprechen. Wir Menschen sind so. Es ist das erste, was wir tun können, wenn wir hilflos sind. Seit ich diesen Blog schreibe, habe ich eine Menge darüber gelesen, welche Sätze sich für chronisch Kranke hilfreich anfühlen. Habe dabei viel gelernt.

Hier geht's übrigens zu "Soul Pampers", meine Pinsammlung für Tröstliches und hilfreiche Sätze.

 

Wenn schon das gut Gemeinte so schwer zu ertragen ist, wie steht es dann mit den beruflichen und sozialen Komplikationen, denen chronisch Kranke begegnen? 

Es kostet schon viel Kraft, Berufliches nicht zu schaffen, Termine nicht einzuhalten, den Freunden nicht beim Umzug zu helfen oder bei ihrer Hochzeit nicht dabei zu sein. Ganz zu schweigen davon, wenn man es doch tut, obwohl es einem nicht gut geht. Man tut eben eine ganze Menge, um den Zeitpunkt, zu dem man die Tuchfühlung mit der Normalität verliert, möglichst lange herauszuzögern. Es scheint ein lohnendes Ziel, das teuer erkauft werden muss.  

Mir ist die Tatsache, dass ich anwesend war, schon häufiger um die Ohren geflogen: Du gehst doch arbeiten! Du bist doch da! bekommt man dann gesagt. Man muss den Gesunden mit viel Geduld klarmachen, dass die Konsequenz des nicht Arbeitens, des Nicht-Anwesend-Seins, eine Isolation für den Rest des Lebens bedeuten würde. Weil man jeden Tag krank ist. Ich kann es mir ja selbst nicht vorstellen, dass ich den Rest meines Lebens jeden Tag krank sein werde. 

 

KEIN GRUND, sich wie ein Mensch zweiter Klasse zu fühlen! Unser Leben ist so anstrengend. Sich selbst und seine Seele gekonnt zu pampern, ist essenziell! Irgendwo müssen wir die Kraft hernehmen, unseren besonderen Herausforderungen zu begegnen. Self Care ist für mich das Zauberwort. 

Ich genieße trotzdem, und das will ich teilen.