Resilienz für Dummies

Aktualisiert: Mai 2


Der Name meiner Website, Rest&Resilience, (jetzt ChilZone) verpflichtet mich geradezu, dieses Buch aus der Reihe „…für Dummies“ zu rezensieren. Die bekannten schwarz-gelben Bücher glänzen mit extremer Leserfreundlichkeit, die sie durch eine klare Sprache und einen modularen Aufbau erreichen. 

„Resilienz für Dummies“ macht da keine Ausnahme. Es legt sorgfältig und vollständig den aktuellen Stand der Resilienzforschung dar und ist leicht verständlich geschrieben. Eine Zusammenfassung der einzelnen Teile zu Beginn orientiert darüber, was der Leser in welchem Teil erwarten und wie er mit den Inhalten arbeiten kann. Leider sind die Tugenden der „…für Dummies“-Reihe bei dem vorliegenden Thema aber auch von Nachteil.

Ein bisschen einschüchternd wirkt, dass das Buch mit der Beschreibung dessen beginnt, was resiliente Menschen bereits können. Dieser Auftakt hätte mich fast dazu gebracht, das Buch gleich wieder zuzuklappen. Die selbstbewussten Häkchen, die eine Art Resilienz-Checkliste zieren, hätte ich allesamt nicht setzen können. Bedenkt man die Zielgruppe, stehe ich wahrscheinlich nicht alleine da. So mancher Leser wird Schwierigkeiten damit haben, grundsätzlich optimistisch zu sein oder ein tragfähiges Netzwerk zu pflegen. Beim Durcharbeiten der einzelnen Kapitel musste ich immer wieder gegen das Gefühl ankämpfen, ein irgendwie unzureichender Mensch zu sein. Lohnt es sich, die Nerven zu behalten und sich die hilfreichen Dinge herauszufiltern? Schaun wir mal.

Die Autorin definiert Resilienz als „innere Stärke und seelische Widerstandskraft“ und erläutert ihre Bedeutung im Alltag und im Berufsleben. Sie geht von den „sieben Säulen der Resilienz“ aus: Optimismus, Akzeptanz, Handlungsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Lösungsorientierung, Netzwerkpflege und Zukunftsplanung. Es fließen Informationen aus den Bereichen Genetik, kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeit und Meditation so wie Transaktionsanalyse ein. 

Die vorgestellten Übungen verteilen sich teils über das gesamte Buch, teils werden sie in einem eigenen Kapitel zusammengestellt. Einige Übungen nehmen wenig Zeit in Anspruch und können ohne weiteres in den Alltag integriert werden. Andere nutzen nur dann etwas, wenn man sich tatsächlich Stift und Papier nimmt und sie durchführt. Ein Teil der Übungen ist unangemessen schwer. Hier fehlt leider das, was in Ratgebern oft unberücksichtigt bleibt: 

Es gibt sehr gute Gründe, aus denen Menschen bestimmte Dinge nicht tun. Wenn ich eine soziale Phobie habe, ist der Rat, Freunde zu mir einzuladen und sie einander vorzustellen, ziemlich viel verlangt. Wenn ich ein inneres Verbot habe, mich zu wehren, kann ich auf der Arbeit nicht einfach „Nein“ sagen, bloß weil ich weiß, dass es gut für mich wäre. Vom Verhalten resilienter Menschen unmittelbar Ratschläge für Hilfesuchende abzuleiten, ist zu kurzsichtig. Meistens vermisse ich den wohlwollenden Hinweis, dass ich auch dann resilient sein kann, wenn bestimmte Teilaspekte der Resilienz außerhalb meines Kompetenzbereiches liegen. Mehr Hilfestellung bei Problemen, die nicht zufällig auftreten werden, hätten das Buch hilfreicher und nahbarer gemacht.

Erfreulicherweise wird diese Lücke in einem der wichtigsten Kapitel des Buches geschlossen, in welchem es um das Verlassen der Komfortzone geht: Es bietet wertvolle Denkanstöße, warum das Abweichen vom gewohnten Pfad schwierig sein und wie es dennoch gelingen kann, z.B. indem man sich Unterstützung holt oder sich die positiven Konsequenzen vor Augen führt. 

„Resilienz für Dummies“ muss einen unmöglichen Spagat schaffen: Es muss über den Stand der Forschung informieren, die Inhalte auf verschiedene Lebensbereiche beziehen, Hilfestellung leisten und Grenzen abstecken - und das alles in Modulform und leicht verständlicher Sprache. Es gerät stark deskriptiv und leitet davon Präskriptionen ab, ohne mögliche Probleme ausreichend aufzufangen. Am ehesten kann das Buch als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit Resilienz genutzt werden. Der Informationsteil ist m.E. am besten gelungen, da er sowohl einen Überblick als auch weiterführende Literatur bietet.

Für wen lohnt sich „Resilienz für Dummies?“ Hilfreich ist das Buch für Menschen, die ein bisschen Selbstoptimierung suchen, sei es im Beruf oder im Alltag. Es bietet auch für Eltern Wissenswertes im Teil „Resilienz in der Kindheit fördern“. Der Haken ist, dass man dem Wort Resilienz in diesen Lebensbereichen eher selten begegnet. Man wird deshalb wohl auch kaum auf das vorliegende Buch stoßen. Wer das Wort Resilienz kennt, kommt sehr wahrscheinlich aus einer anderen Richtung und hat mit Psychotherapie oder chronischen Erkrankungen Erfahrung gemacht. Wer mag, kann sich durch das Kapitel „Resilienz in der Kindheit fördern“ kämpfen, um herauszufinden, was die eigenen Eltern versäumt haben. Man kann dadurch Schlüsse darauf ziehen, in welchen Bereichen man sich selbst verändern kann, und mit Erleichterung feststellen, dass man an den gegenwärtigen Problemen auf eine andere Weise schuld ist - wenn überhaupt - als man dachte. Verhalten hat eben Gründe.

Lesenswert und vielleicht gut, um damit zu starten: Kapitel 3: Resilienz kann man üben, Kapitel 12: Grenzen erweitern, Kapitel 13: Die Komfortzone verlassen und Kapitel 14: Die Reserven wieder auffüllen.

Foto von Rest&Resilience, Text enthält Werbung



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